Wolfgang Přiklopil: Leben, Tat und Hintergründe

Detlev Morgenroth By Detlev Morgenroth
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Wolfgang Přiklopil ist vor allem als Entführer von Natascha Kampusch bekannt. Er verschleppte die damals zehnjährige Schülerin am 2. März 1998 in Wien und hielt sie mehr als acht Jahre lang in seinem Haus in Strasshof in Niederösterreich gefangen.

Am 23. August 2006 gelang Kampusch die Flucht. Přiklopil floh anschließend und starb noch am selben Tag durch Suizid. Weil es dadurch nie zu einem Gerichtsverfahren gegen ihn kam, konnten einige Fragen zu seinen Motiven nicht mehr vollständig geklärt werden.

InformationDetail
NameWolfgang Přiklopil
NationalitätÖsterreichisch
BerufKommunikationstechniker
WohnortStrasshof an der Nordbahn, Niederösterreich
Bekannt durchEntführung von Natascha Kampusch
Entführung2. März 1998
Flucht von Kampusch23. August 2006
Tod23. August 2006
Alter beim Tod44 Jahre

Wer war Wolfgang Přiklopil?

Wolfgang Přiklopil lebte in Strasshof an der Nordbahn, nordöstlich von Wien. Er hatte eine technische Ausbildung und arbeitete als Kommunikationstechniker. Medienberichte beschreiben außerdem eine berufliche Verbindung zu Siemens.

Über große Teile seines Privatlebens gibt es dagegen nur begrenzte verlässlich bestätigte Informationen. Besonders rückblickende Aussagen darüber, wie Nachbarn oder Bekannte seine Persönlichkeit wahrgenommen haben, sollten nicht mit einer medizinischen oder psychologischen Diagnose verwechselt werden.

Gesichert ist, dass Přiklopil ein Haus in Strasshof besaß. Dort befand sich das versteckte Kellerversteck, in dem Natascha Kampusch nach ihrer Entführung festgehalten wurde.

Wolfgang Přiklopil und die Entführung von Natascha Kampusch

Am Morgen des 2. März 1998 verließ die zehnjährige Natascha Kampusch ihr Elternhaus in Wien und machte sich auf den Weg zur Schule. Sie kam dort jedoch nicht an.

Eine Zeugin berichtete später von einem weißen Kleinbus. Die Polizei begann daraufhin eine umfangreiche Suche und kontrollierte zahlreiche Fahrzeuge.

Auch Wolfgang Přiklopil geriet damals ins Blickfeld der Ermittler. Nach der Chronologie des [ORF zum Fall Kampusch]ORF-Chronologie zum Fall Kampusch wurde er am 6. April 1998 in Strasshof aufgesucht, weil er einen weißen Lieferwagen besaß.

Eine Hausdurchsuchung, die zur Entdeckung Kampuschs hätte führen können, fand damals nicht statt. Dieser Teil der frühen Ermittlungen wurde nach ihrer Flucht intensiv untersucht und kritisiert.

Warum wurde Wolfgang Přiklopil nicht früher gefasst?

Die Polizei überprüfte während der Suche Hunderte Fahrzeuge und zahlreiche Personen. Přiklopil gehörte zu den überprüften Haltern eines weißen Lieferwagens.

Am 14. April 1998 gab es laut ORF außerdem einen weiteren Hinweis auf ihn. Dieser führte jedoch nicht dazu, dass das versteckte Verlies entdeckt wurde.

Spätere Kommissionen beschäftigten sich deshalb ausführlich mit der Frage, ob Ermittlungsansätze nicht ausreichend verfolgt worden waren.

Das Haus und das Versteck von Wolfgang Přiklopil

Přiklopil brachte Natascha Kampusch nach Strasshof. In seinem Haus hielt er sie in einem versteckten Raum unterhalb beziehungsweise im Bereich der Garage gefangen.

Der Raum war klein, fensterlos und stark abgeschirmt. Der Zugang war verborgen und mit mehreren Sicherungen versehen. Dadurch war das Versteck von außen nur schwer zu entdecken.

Wie lebte Natascha Kampusch während der Gefangenschaft?

Die Bedingungen änderten sich während der mehr als acht Jahre dauernden Gefangenschaft. Besonders am Anfang verbrachte Kampusch sehr viel Zeit in dem abgeschlossenen Kellerraum.

Später durfte sie zeitweise andere Bereiche des Hauses betreten und musste verschiedene Arbeiten erledigen. Sie berichtete nach ihrer Flucht auch von Hunger, körperlicher Gewalt, strengen Regeln und starker Kontrolle.

In einem ausführlichen Gespräch mit dem [Guardian über ihre Gefangenschaft]The Guardian: Natascha Kampusch über ihre Gefangenschaft schilderte Kampusch Jahre später, wie Přiklopil versuchte, ihren Alltag und ihr Verhalten zu bestimmen.

Ihre Aussagen zeigen, dass es sich nicht nur um räumliche Gefangenschaft handelte. Auch Kontrolle, Isolation und Abhängigkeit spielten eine zentrale Rolle.

Warum entführte Wolfgang Přiklopil Natascha Kampusch?

Ein vollständig geklärtes und durch ein Gerichtsverfahren bestätigtes Motiv gibt es nicht.

Wolfgang Přiklopil starb wenige Stunden nach der Flucht Kampuschs. Dadurch konnte er nicht mehr ausführlich von Ermittlern zu seiner Tat, ihrer Vorbereitung und seinen Beweggründen befragt werden.

Es gibt zahlreiche Medienberichte und spätere Deutungen seiner Persönlichkeit. Diese dürfen jedoch nicht mit gesicherten Fakten verwechselt werden.

Auch medizinische oder psychologische Diagnosen über Přiklopil sollten nicht nachträglich ohne entsprechende Unterlagen gestellt werden. Sicher dokumentiert sind vor allem sein Verhalten während der Gefangenschaft und die Aussagen Kampuschs darüber.

Wie gelang Natascha Kampusch die Flucht?

Der entscheidende Tag war der 23. August 2006. Kampusch befand sich außerhalb des versteckten Raumes und arbeitete an Přiklopils Fahrzeug.

Sie benutzte einen Staubsauger, während Přiklopil in der Nähe telefonierte. Wegen des Lärms entfernte er sich ein Stück.

Kampusch nutzte diesen Moment und lief davon. Sie erreichte ein Nachbargrundstück und konnte Hilfe bekommen. Zu diesem Zeitpunkt war sie 18 Jahre alt.

Damit endete eine Gefangenschaft, die 3.096 Tage gedauert hatte.

Was machte Wolfgang Přiklopil nach der Flucht?

Nachdem er bemerkte, dass Kampusch verschwunden war, verließ Přiklopil den Ort. Die Polizei leitete eine Fahndung nach ihm ein.

Noch am selben Tag starb der 44-Jährige in Wien, nachdem er sich vor einen Zug geworfen hatte.

Weil Přiklopil tot war, konnte es keinen Strafprozess gegen ihn geben. Viele Details mussten deshalb später anhand von Spuren, Zeugenaussagen und den Aussagen von Natascha Kampusch rekonstruiert werden.

Wolfgang Přiklopil: Mittäter und offene Ermittlungsfragen

Eine besonders häufig diskutierte Frage lautet, ob Wolfgang Přiklopil bei der Entführung Unterstützung hatte.

Die österreichischen Behörden untersuchten mögliche Mittäter mehrfach. Dabei wurden auch frühere Zeugenaussagen und andere offene Fragen erneut geprüft.

Die Ermittler kamen letztlich zu dem Ergebnis, dass keine ausreichenden Beweise für einen weiteren Täter vorlagen. Eine internationale Evaluierungskommission kam 2013 ebenfalls zu dem Schluss, dass es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit keinen Mittäter gab.

Natascha Kampusch selbst erklärte wiederholt, keinen weiteren Täter wahrgenommen zu haben.

Damit gelten viele öffentlich verbreitete Theorien über angebliche Komplizen nicht als bewiesen. Dass einzelne Fragen zum Ablauf der ursprünglichen Ermittlungen diskutiert wurden, ist davon zu unterscheiden.

Der Fall Wolfgang Přiklopil beschäftigt die Öffentlichkeit bis heute vor allem wegen der ungewöhnlich langen Gefangenschaft, der Fehler und offenen Fragen der frühen Ermittlungen sowie der Tatsache, dass es nie zu einem Gerichtsverfahren gegen den Täter kam.

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Häufige Fragen zu Wolfgang Přiklopil

Wer war Wolfgang Přiklopil?

Wolfgang Přiklopil war ein österreichischer Kommunikationstechniker aus Strasshof. Bekannt wurde er als Entführer von Natascha Kampusch, die er von 1998 bis 2006 gefangen hielt.

Wie lange hielt Wolfgang Přiklopil Natascha Kampusch gefangen?

Natascha Kampusch wurde am 2. März 1998 entführt und konnte am 23. August 2006 fliehen. Ihre Gefangenschaft dauerte insgesamt 3.096 Tage.

Wo hielt Wolfgang Přiklopil Natascha Kampusch fest?

Er hielt sie in seinem Haus in Strasshof an der Nordbahn in Niederösterreich fest. Ein versteckter, abgeschirmter Raum im Kellerbereich des Hauses spielte dabei eine zentrale Rolle.

Hatte Wolfgang Přiklopil einen Mittäter?

Mehrere Ermittlungen fanden keine ausreichenden Beweise für einen Mittäter. Auch Natascha Kampusch erklärte wiederholt, dass sie keinen weiteren Täter gesehen habe.

Wie starb Wolfgang Přiklopil?

Wolfgang Přiklopil starb am 23. August 2006, wenige Stunden nach der Flucht Natascha Kampuschs. Er beging in Wien Suizid, indem er sich vor einen Zug warf.

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