Arnulf Rainer war einer der bekanntesten österreichischen Künstler der Nachkriegszeit. Besonders berühmt wurde er durch seine Übermalungen, bei denen er eigene oder bereits vorhandene Bilder, Zeichnungen und Fotografien mit neuen Farbschichten, Linien und Gesten veränderte.
Der österreichische Maler wurde am 8. Dezember 1929 in Baden bei Wien geboren und starb am 18. Dezember 2025 im Alter von 96 Jahren. Über mehrere Jahrzehnte entwickelte Arnulf Rainer eine sehr persönliche Bildsprache. Seine Werke wurden international ausgestellt und befinden sich heute in bedeutenden Museumssammlungen.
Wer war Arnulf Rainer?
Arnulf Rainer war Maler, Zeichner, Grafiker und Professor. Er zählt zu den wichtigen Vertretern der österreichischen Kunst des 20. und frühen 21. Jahrhunderts.
Seine künstlerische Entwicklung verlief nicht über eine klassische akademische Ausbildung. Im Jahr 1949 besuchte Rainer kurz die Akademie für angewandte Kunst sowie die Akademie der bildenden Künste in Wien. Beide Ausbildungsversuche beendete er nach kurzer Zeit.
Danach arbeitete er weitgehend selbstständig weiter. In seinen frühen Jahren beschäftigte er sich intensiv mit dem Surrealismus, automatischem Zeichnen und Möglichkeiten, Bilder möglichst spontan entstehen zu lassen.
Eine ausführliche Darstellung seiner künstlerischen Entwicklung bietet das Arnulf Rainer Museum.
| Information | Angaben |
|---|---|
| Name | Arnulf Rainer |
| Geboren | 8. Dezember 1929 |
| Geburtsort | Baden bei Wien, Österreich |
| Gestorben | 18. Dezember 2025 |
| Alter | 96 Jahre |
| Beruf | Maler, Zeichner und Grafiker |
| Bekannt für | Übermalungen, Fotoübermalungen, gestische Arbeiten |
| Professur | Akademie der bildenden Künste Wien |
Arnulf Rainer: Ausbildung und Beginn seiner Karriere
Zu Beginn der 1950er-Jahre suchte Rainer nach neuen Formen der Kunst. Gemeinsam mit anderen jungen Künstlern gründete er 1950 die sogenannte „Hundsgruppe“.
Der Surrealismus spielte zunächst eine wichtige Rolle. Rainer experimentierte mit automatischem Zeichnen und versuchte, Bewegungen und Gedanken möglichst direkt auf Papier oder Leinwand zu übertragen.
Schon bald entfernte er sich jedoch von seinen frühen surrealistischen Arbeiten. Ab den 1950er-Jahren entstanden zunehmend abstrakte Werke. Besonders entscheidend war seine Beschäftigung mit dem Überdecken und Verändern bereits vorhandener Bilder.
Diese Technik entwickelte sich zum wichtigsten Merkmal seines Schaffens.
Was macht die Kunst von Arnulf Rainer besonders?
Die berühmten Übermalungen
Ab etwa 1954 begann Arnulf Rainer mit seinen charakteristischen Übermalungen und Überzeichnungen. Dabei arbeitete er über vorhandene Bilder oder Zeichnungen hinweg.
Manchmal verwendete er eigene ältere Arbeiten. Später überarbeitete er auch Bilder anderer Künstler oder bereits vorhandene Bildvorlagen.
Rainer bedeckte Flächen teilweise mit dunkler Farbe, setzte kräftige Striche darüber oder veränderte ein ursprüngliches Motiv so stark, dass davon nur noch Teile sichtbar blieben.
Die ursprüngliche Arbeit wurde dadurch nicht einfach gelöscht. Vielmehr entstand ein neues Werk aus dem Zusammenspiel von vorhandenem Bild und neuer Bearbeitung.
Fotografien und „Face Farces“
Eine weitere bekannte Werkgruppe sind Rainers bearbeitete Fotografien. Besonders bekannt wurden seine sogenannten Face Farces.
Dafür ließ sich Rainer mit starken Gesichtsausdrücken und ungewöhnlichen Grimassen fotografieren. Anschließend zeichnete oder malte er direkt über die Fotos.
Die Linien folgen teilweise den Bewegungen von Gesicht und Körper, verändern sie oder verdecken einzelne Bereiche. Dadurch wurden Fotografie, Zeichnung und körperlicher Ausdruck miteinander verbunden.
Das Museum of Modern Art besitzt zahlreiche Arbeiten Rainers und dokumentiert verschiedene Phasen seines Werks.
Bekannte Werke und Werkserien von Arnulf Rainer
Arnulf Rainer arbeitete während seiner langen Karriere mit unterschiedlichen Techniken und Materialien. Dennoch tauchen bestimmte Themen immer wieder auf.
Zu seinen bekannten Werkgruppen gehören:
- Übermalungen und Überdeckungen
- übermalte Selbstporträts
- die „Face Farces“
- Hand- und Fingermalereien
- Kreuzbilder und religiöse Motive
- überarbeitete Fotografien
- Radierungen und andere Druckgrafiken
Ein bekanntes Beispiel ist die Serie „Überdeckungen“ von 1961. Auch Arbeiten wie „Christus“, verschiedene Kreuzbilder und seine bearbeiteten Selbstporträts gehören zu wichtigen Bereichen seines Werks.
Rainer beschränkte sich nicht dauerhaft auf eine einzige Technik. Er arbeitete unter anderem mit Öl, Kreide, Stiften, Fotografien, Radierungen und Kaltnadelverfahren.
Internationale Karriere, documenta und Biennale
Arnulf Rainer wurde nicht nur in Österreich bekannt. Seine Kunst war bei zahlreichen wichtigen internationalen Ausstellungen vertreten.
Er nahm dreimal in Folge an der documenta in Kassel teil:
- documenta 5 im Jahr 1972
- documenta 6 im Jahr 1977
- documenta 7 im Jahr 1982
1978 vertrat Arnulf Rainer Österreich bei der Biennale von Venedig. Im selben Jahr erhielt er den Großen Österreichischen Staatspreis für Bildende Kunst.
Seine Arbeiten wurden außerdem in bedeutenden Museen und Ausstellungsorten außerhalb Österreichs gezeigt. Eine große Retrospektive fand beispielsweise 1989 im Guggenheim Museum in New York statt.
Arnulf Rainer als Professor
Von 1981 bis 1995 war Arnulf Rainer Professor an der Akademie der bildenden Künste Wien.
Damit war er nicht nur als Künstler tätig, sondern auch in der Ausbildung einer jüngeren Künstlergeneration. 1995 wurde er auf eigenen Wunsch emeritiert.
Das Arnulf Rainer Museum in Baden
Seit 2009 gibt es in Rainers Geburtsstadt Baden bei Wien ein eigenes Arnulf Rainer Museum.
Das Museum befindet sich im ehemaligen Frauenbad der Stadt. Es beschäftigt sich intensiv mit seinem umfangreichen Lebenswerk und zeigt regelmäßig Ausstellungen mit Arbeiten aus unterschiedlichen Schaffensperioden.
Damit besitzt Rainer in seiner Heimatstadt einen zentralen Ort, an dem seine künstlerische Entwicklung langfristig dokumentiert und vermittelt wird.
Warum Arnulf Rainer für die moderne Kunst wichtig ist
Arnulf Rainer entwickelte eine Bildsprache, die sich deutlich von klassischer Malerei unterscheidet. Besonders seine Übermalungen stellten die Frage, wann ein Bild eigentlich abgeschlossen ist.
Statt vorhandene Werke als unveränderbar zu betrachten, nutzte er sie als Ausgangspunkt für neue Arbeiten. Verdecken, Ergänzen und teilweise Zerstören wurden selbst zum künstlerischen Prozess.
Seine Fotografien zeigen außerdem, wie eng Malerei und körperliche Bewegung bei ihm miteinander verbunden waren.
Rainer arbeitete über mehr als sieben Jahrzehnte hinweg und veränderte seinen Stil immer wieder. Seine Werke befinden sich heute in internationalen Sammlungen und werden weiterhin in Museen und Ausstellungen gezeigt.
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Häufig gestellte Fragen zu Arnulf Rainer
Wer war Arnulf Rainer?
Arnulf Rainer war ein österreichischer Maler, Zeichner und Grafiker. Bekannt wurde er vor allem durch seine Übermalungen und überarbeiteten Fotografien.
Wann wurde Arnulf Rainer geboren?
Arnulf Rainer wurde am 8. Dezember 1929 in Baden bei Wien in Österreich geboren.
Wann ist Arnulf Rainer gestorben?
Arnulf Rainer starb am 18. Dezember 2025 im Alter von 96 Jahren.
Wofür ist Arnulf Rainer bekannt?
Besonders bekannt ist er für seine Übermalungen, Fotoüberzeichnungen, „Face Farces“, Hand- und Fingermalereien sowie Kreuzbilder.
Wo kann man Werke von Arnulf Rainer sehen?
Werke von Arnulf Rainer befinden sich in verschiedenen internationalen Museumssammlungen. In seiner Geburtsstadt Baden widmet sich außerdem das Arnulf Rainer Museum seinem künstlerischen Lebenswerk.